Sommer 2020

SOMMER 2020

Alpsennerei Höhi-Voralp

1200 m. über dem Meer

Voralpsee, St. Gallen, Schweiz

Ich stellte mir das so lässig vor. Eine Alpsennerei, ein Käseladen, eine Milchbar. Gegenüber ein Parkplatz, von dem Wanderer zu einem der beliebtesten Ausflugsziele der Gegend hinunter schreiten: zum Voralpsee. Außerdem schreiten sie in unseren Laden. Von morgens bis abends verkaufen wir Käse, Joghurt, Rivella, Kafi Luz, Käsetoast. Wir arbeiten in der Käserei und im Käsekeller. Wir zersprageln uns in diesem Almsommer, der kein Sommer in den Bergen ist, sondern ein Sommer in einem Haus in den Bergen. Die Milch wird täglich von den schönsten Alpen ringsum vorgefahren. Sie ist köstlich, und der Käse auch. Ich lerne das Handwerk des Käsens. Ich höre viele Hörbücher im Käsekeller. Ich bin nicht für 112 Tage Kundengespräche gemacht. Ich habe mir das alles ein bißchen lässiger vorgestellt.

Jeden Morgen und jeden Abend rollt ein Sonnenschein heran. Am Anhänger der Tank mit der sorgsam gewonnen Alpmilch des Tages. Am Lenkrad die Hirtin Isabel. Wir trinken Kaffi und witzeln, es ist schön mit ihr. Ansonsten bin ich für den Rest des Tages eindeutig von zu vielen Männern in zu stark karierten Hemden umgeben.


Einmal lasse ich um 5:20 morgens die Alpsennerei hinter mir und spaziere zum Voralpsee hinunter. Das fühlt sich absurd an, aber es gefällt mir trotzdem. Weiße Schwaden hängen über dem stillen Wasser und die Sonne kratzt über den Kamm. Ich ziehe die Schuhe aus, das Wasser ist schneekalt. Ach.

Der Tag zieht

ins Licht.

Ich sehe den Voralpsee

vor lauter Käse nicht.

Sie schmirgelte so vorsichtig am Leben entlang, dass nur Ahnungen von Spänen flogen. Denn lieber hielt sie den feineren Stoff des Lebens in Händen, der seidig über die Haut glitt, und das Licht war Pastell wenn sie träumte. Und sie träumte so lange bis sie gähnte, und sie eines Morgens im Schwarzteedampf die Lust überfiel, sich doch mal an der Materie zu versuchen. Bis Funken sprühten weil der Draht zwischen ihr und der Welt so glimmend und singend, und angepackt das Leben und die Holzbretter und Käselaibe und Hühenerpopos. Auch dicke Schiefer bohrten sich unter ihre Haut und scharfe Späne flogen um ihr nacktes Herz, doch sie cremte ihre Hände einfach weiter mit Mandeln ein und wollte ihn nicht loslassen, diesen Traum.

Bärbel, Katharina, Karamathschong, Franziska und Gertude sitzen zu jeder Tageszeit gerne am vom Verkehrsverein Grabs gestifteten Bankerl. Sie sind unsere Hühner. Oder soll ich sagen: Hühnerlis?

Fotos © Lia Sáile

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